
Paris 1840
- Meudon 1917
Auguste Rodin gehört zu den bedeutendste Persönlichkeit der
Bildhauerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Er ist als letzter großer
klassischer Bildhauer gleichzeitig aber auch der Begründer der modernen
Plastik. Rodin beschreitet völlig neue Wege, indem er in einem
Wechselspiel von Licht und Schatten seinen Figuren eine
impressionistische Lebendigkeit verleiht und es versteht,
allgemeinmenschliche seelische Befindlichkeiten in ihrer Wesentlichkeit
aus dem Körper heraus darzustellen. Für die damalige Zeit ist dies
einerseits eine große Innovation, zum anderen liegt die Bedeutung
seiner Kunst in dem revolutionierenden Einfluss auf die künftige
Entwicklung der Bildhauerei im 20. Jahrhundert.
Rodin entdeckt sein Interesse für die Bildhauerei ab 1854, während
eines dreijährigen Besuches an der Petite Ecole, die eigentlich für die
Ausbildung von Kunsthandwerkern bestimmt ist. An der Grande Ecole
bewirbt sich Rodin nunmehr, jedoch scheitert er dreimal bei der
Aufnahmeprüfung. Da der klassische Ausbildungsweg ihm nun verschlossen
ist, arbeitet er vorerst nebenbei als Dekorateur, was ihm die Existenz
als freier Künstler ermöglicht. Erst gegen Ende der 1880er Jahre äußert
sich der durchschlagende öffentliche Erfolg als Bildhauer, als 1889
eine Ausstellung mit 36 Werken endlich die verdiente Anerkennung
bringt. Rodin arbeitet bis dahin in den 1870er Jahren u. a. als
Architekturbildhauer in Brüssel und später in der Sèvres-Manufaktur. Im
folgende Jahrzehnt bringen die Staatsaufträge zum "Höllentor", zu den
"Bürgern von Calais", dem Victor-Hugo-Denkmal und einer großen
Marmor-Version der Skulptur "Der Kuss" den Erfolg. Der Bildhauer lernt
1883 Camille Claudel kennen. Sie wird für die folgenden 15 Jahre seine
Assistentin, sein Modell und seine Geliebte. Die Beziehung zu Rose
Beuret pflegt er weiterhin. Beuret hat Rodin bereits 1864
kennengelernt. Sie steht ihm als Lebensgefährtin zur Seite, bis er sie
1917 schließlich heiratet. Mit dem Auftrag zu einem Balzac-Denkmal
beginnen die 1890er Jahre. Rodin gelangt im Verlauf der Arbeit zu einer
Darstellung, die v. a. die geistige Innenwelt des Dichters aufzeigen
soll. Rilke wird im Jahr 1905 Rodins Sekretär, jedoch 1906 bereits
wieder entlassen. Im selben Jahr wird "Der Denker" vor dem Pantheon
aufgestellt. Rodins Buch "Die Kunst" erscheint 1911. Es stellt die
wichtigste Quelle seiner Kunsttheorie dar. Basierend auf der Schenkung
seiner Werke an den Staat wird 1916, ein Jahr vor Rodins Tod, das Musée
Rodin im Hôtel Biron konstituiert. Auguste Rodin stirbt am 17. November
um 4 Uhr morgens in Meudon.